Innenwelt der Ausßenwelt Vernissage

Lena Litov

Collagen aus der Serie „Experience of Space: Metamorphosen“

Experience of Space - Metamorphosen

In mystischen Zeiten glaubten Menschen an eine Gottheit, die das Reich der Worte regierte – jedem Wort wurde eine Seele zuerkannt. Es ist nicht immer leicht, den Zugang zu diesen Wort-Seelen zu finden. Auf der Suche danach komponierte ich die Wort-Spiele inspiriert von der äußerlichen Form der Dinge, bis die Collagen schrittweise eine Gestalt annahmen. In der tiefen Versenkung betrat ich die mentalen Räume und transformierte das Vorhandene (die Zeitschriften) in das Neue (Collagen), um die Verborgenheit hinter der Wirklichkeit, die wir zu kennen meinen, anzudeuten. Das Symbolische und die Wort-Seele zeigen sich und laden den Betrachter zum Vertiefen in die eigenen mentalen Räume ein. Die Veränderungen in der Außenwelt beginnen IMMER in der Inneren Welt: in den mentalen Räumen.

Auszug aus der Eröffnungsrede der Kuratorin Nicoletta Torcelli:

„Lena Litov, die dritte Künstlerin, die ich Ihnen vorstellen möchte, lässt sich auch gerne treiben – wie, darauf werde ich gleich eingehen. Geboren wurde sie in der Ukraine, wo sie Natur- und Geistwissenschaften studiert hat. Im Jahr 2000 ist sie nach Freiburg gekommen.

Ihre künstlerische Formung hat sie auch jenseits des akademischen Studiums erfahren. Ihr großes Vorbild ist der japanische Architekt Tadao Ando, überhaupt hat sie eine große Affinität zum asiatischen Denken.

Was wir hier in der Ausstellung sehen, sind Collagen aus der Serie „Experience of Space: Metamorphosen“. Basis dieser Arbeit sind Ausschnitte aus der Zeitschrift “Architectural Digest”, auf schwarzem Papier geklebt. Wie der Titel verrät, sind viele Innenräume zu sehen. Dabei geht es aber nicht in erster Linie um äußere, sondern um innere, um mentale Räume.

„Die Veränderungen in der Außenwelt beginnen IMMER in der Inneren Welt: in den mentalen Räumen.“

So die Künstlerin. Und wie geht sie vor? Zum einen sucht sie, wie sie es ausdrückt, nach der „Wortseele“. Wortseele ist natürlich kein leicht zu verstehender Ausdruck – ich kann ihn auch nur interpretieren. Was gemeint sein könnte, ist der tiefere Sinn, der plötzlich aufblitzt, Assoziationen weckt - und sich doch nie ganz fassen lässt.

UNHEIMLICH HEIMELIG zum Beispiel. Mit diesem Fragment aus einer ihrer Collagen öffnet sich ein Assoziationsfeld voller Widersprüche. In beiden Worten steckt das Wort Heim, aber einmal begegnet es uns als das Fremde, Beängstigende – Un-heimlich eben - und einmal als das Gemütliche und Gewohnte, das gemeinhin mit Heim als Zuhause verbunden wird.

Auch auf der Bildebene bewegen sich ihre Collagen im Reich des „Dazwischen“. Die Arbeiten zeigen diskontinuierliche Räume, voller Türen, Tiere, Möbel, Interieurs und Wörter: Lena Litov fügt Fragmente aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, sie sorgt für Durchblicke, Einblicke, aber auch Irritationen, sie schafft unstabile Räume voller Schichtungen und Verbergungen. Die aber gleichzeitig Frei-Räume sind, Denk-Räume ohne enge Wände und Begrenzungen.

Um dahin zu gelangen, umgibt sich die Künstlerin mit vielen „Schnipseln“. Intuitiv lässt sie sich dann auf das ein, was entsteht - sie wählt aus, setzt zusammen, verliert sich sozusagen im offenen Prozess – und überrascht dann, wenn das Bild fertig ist, sich selbst.“